Wien EnergieStromnetz

Wien Energie - Vom Elektrikerlehrling zum Dr. tech.

Das städtische Unternehmen Wien Energie wirkt dem Fachkräftemangel entgegen in dem es bedarfsorientiert den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den zweiten Bildungsweg erleichtert.

„Der Facharbeitermangel ist in unserer Branche schon Realität“, so Peter Weinelt, Geschäftsführer des Netzbetreibers Wien Energie Stromnetz.  Es sei schon schwierig Elektrotechniker auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Außerdem „müssen wir mehr auf Frauen in Lehrberufen v.a. in der Montage setzen“. Um das zu gewährleisten, hat sich Wien Energie entschlossen, verstärkt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf demzweiten Bildungsweg zu untersützen. In Gesprächen unter vier bis sechs Augen werden mögliche Ausbildungsziele und deren Nutzen für das Unternehmen besprochen.

„Die Idee ist, gemeinsam mit dem Mitarbeiter und der Mitarbeiterin ein Ziel zu finden, natürlich nur etwas, das sie auch wollen – und es gibt keinen Druck zur Weiterbildung“, bestätigt Projektleiterin Ulrike Knorr. Der Betriebsrat tritt dabei als erste Anlaufstelle und beratendes Organ auf. Teilweise können auch nicht unmittelbar anwendbare Bildungswege, wie z.B. ein Publizistikstudium, neben dem Beruf vereinbart werden.

Anfänglich seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen der Gespräche mit der Geschäftsleitung skeptisch gewesen, aber „jetzt freuen sie sich schon drauf“, so Knorr. Weinelt erläutert, dass viele nicht geglaubt haben, dass sie die Stelle, die ihnen vor Beginn der Weiterbildung versprochen worden war, auch tatsächlich bekommen, aber mittlerweile hätten sie genug Beispiele in der Praxis gesehen.

Um die Planbarkeit zu gewährleisten werden Stellen „sehr früh ausgeschrieben“, betont Weinelt und teilweise wird mit anderen Betrieben der Wien Energie zusammengearbeitet, um einen Transfer in einen andern Bereich zu ermöglichen. Auch Auszeiten und Bildungskarenz sind dabei Teil der Unternehmenspolitik für die Weiterentwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Durch die Gleitzeitregelung im Unternehmen sei die Vereinbarkeit mit Kursen gut gegeben. Teilweise gewährt das Unternehmen auch finanzielle Zuwendungen, die zurückgezahlt werden müssen, sollte der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin die Firma vor Ablauf einer bestimmten Frist verlassen.

Im Moment nutzen rund 45 der über 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wien Energie Stromnetz das Angebot der Weiterbildung. Das Projekt kann auch zur Umschulung verwendet werden, so z.B. für einen Außendienstmitarbeiter, der nach einem Arbeitsunfall im Rollstuhl sitzt, und jetzt Lagermanager ist. Hier betont Weinelt die Vorteile des eingebrachten Praxis-Know How.

Im Unternehmen bilden sich Lernzirkel und „Neigungsgruppen“ in denen Tipps zu Kursen und Förderungen ausgetauscht werden, aber auch Lernhilfe angeboten wird, erläutert Knorr.

Ein Lehrling hat vor kurzem mit Dr. tech. abgeschlossen: „Solche Leute haben alles von klein auf gelernt und wir setzen sie dann auch als Lehrlingsbetreuer ein.“ Außerdem wüssten solche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch genau, wie es ist „in der Kineten zu stehen“, wodurch sie einen „ganz anderen Umgang mit Kollegen und Kolleginnen“ haben, so Weinelt.