sabtours

Erfahrung als wertvolles Gut

Im Busunternehmen sabtours wurde die Arbeitseinteilung flexibilisiert, um vor allem älteren Arbeitnehmern das alt werden im Betrieb zu erreichen – aber auch die jungen Fahrer profitieren von den gesetzten Maßnahmen.

 

Im Rahmen eines von der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK) unterstützten und vom Fonds Gesundes Österreich mitfinanzierten Projekts erhob das Busunternehmen sabtours 2007 die Altersstruktur im Familienbetrieb. Die hohe Quote an über 50jährigen, gekoppelt mit der schrittweisen Anhebung des Pensionsantrittsalters für den Berufsstand auf 65, einer steigenden Belastung und eine Zunahme der Krankenstände bei älteren Arbeitnehmern bewog sabtours das Projekt „Busfahren ein Lebensberuf“ zu starten.

Gemeinsam mit der OÖGKK und externen Beratern mit Erfahrungen im Busreisebereich fanden geführte Mitarbeitergespräche statt, für die die Führungskräfte zuvor geschult worden waren. Eine der größten Überraschungen aus den Gesprächen war für Geschäftsführer Wolfgang Stöttinger, dass die Fahrer mehr Abwechslung und Individualität wollten: „Bis dahin dachten wir, dass Überstunden möglichst gleichmäßig auf alle Fahrer verteilt werden sollten.“ Aber gerade ältere Arbeitnehmer äußerten den Wunsch, Arbeitszeit zu reduzieren und einige jüngere Fahrer wollten mehr arbeiten. Bereits vor dem Projekt hatte sabtours die Überstunden reduziert und dafür etwas über dem Kollektivvertrag gezahlt, hält Stöttinger fest.

Vor allem jüngere Fahrer merkten an, dass sie gerne nicht mehr nur Reisetouren oder nur Linienfahrten übernehmen wollen. Andere, vor allem ältere Fahrer wiederum wollen an ihren Stammtouren festhalten. Auf Grund dieser Auswertung erstellte das Unternehmen ein Konzept, bei dem sich immer rund acht Fahrer zu einem Dienstrad zusammenfinden können. „Das ist eine Herausforderung für die Disposition, aber machbar,“ bestätigt Betriebsrat Johann Eismair.

„Anfänglich mussten einige Fahrer überredet werden, an diesen flexibleren Diensträdern teilzunehmen, aber bereits nach einem Jahr gab es bereits Anfragen der nächsten acht,“ so Stöttinger. Laut Eismair wären mehr Fahrer daran interessiert aber „einige ältere blockieren“. „Und wir wollen niemanden zwingen“, fügte Stöttinger hinzu. Doch Eismair ist überzeugt, dass es zu weiteren Flexibilisierungen kommen wird, denn auch die älteren Fahrer sehen, dass Abwechslung gut tut. Derzeit werden für ältere Arbeitnehmer Altersteilzeitmodelle erarbeitet. Zwei Fahrer haben sich geeinigt, sich eine Linie zu teilen. Die genaue Ausformung der Vereinbarung überlässt das Unternehmen dabei den Mitarbeitern.

Stöttinger fügte hinzu dass es auch erstmals gelungen sei, die OÖGKK dazu zu bringen präventive Physiotherapie für die Fahrer finanziell zu unterstützen anstatt wie bisher nur Angebote für bereits erkrankte Mitarbeiter. Andere Maßnahmen aus dem Projekt waren der Einbau neuer Fahrersitze und Plexiglaseinsätze für die Fahrerkabinen. Des weiteren wurde an einigen Busplätzen eigene Toilette-Anlagen für Fahrer zugänglich gemacht, was auch besonders älteren Fahrer zu Gute kommt, wie Eismair erläutert. Pro Linie wurde ein Kommunikator ernannt, der z.B. auch Kollegen mit schlechteren Deutschkenntnisse helfen soll.

Die Mitarbeitergespräche, die zwischen 30 und 60 Minuten dauern, werden alle zwei Jahre stattfinden und laut Stöttinger „ist es manchmal schon hilfreich Zeit zum Reden zu haben“. Auch habe sich gezeigt, dass die erste Runde 2007 noch verhalten war, in der zweiten Runde 2009 die Fahrer aber schon viel offener gewesen seien. „Einige der Änderungen wären auch so erfolgt, aber anderes ist nur auf die Ideen der Mitarbeiter zurückzuführen,“ so Stöttinger.

 AnsprechpartnerInnen:
Mag. Wolfgang Stöttinger (Geschäftsführer)
07242 41626