Fab

Multikulti ist nicht tot

Auf Grund der Arbeit mit Menschen mit sozialen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen mit den unterschiedlichsten ethnischen Hintergründen hat das Sozialunternehmen FAB ein Trainingsprogramm für interkulturelle Kompetenzen erarbeitet.

 

Der gemeinnützige Verein FAB bietet österreichweit in 8 Bundesländern geschützte Dauerarbeitsplätze und betreibt sozialökonomische Unternehmen mit teilgeschützten Arbeitsplätzen, in denen sozial und/oder körperlich beeinträchtigte Personen Qualifikationen erlangen können, sowie ihre Beschäftigungsfähigkeit (wieder)erlangen können. Heute sei die Zielgruppe sowie die Zielsetzung eine andere als bei der Gründung in den 1980er-Jahren, erläutert Peter Oberleitner aus der Abteilung „Produktentwicklung“ bei FAB.

Rund 40% der betreuten Personen haben einen Migrationshintergrund, sei es in erster, zweiter oder dritter Generation und insgesamt seien rund 40 Nationalitäten vertreten – unter rund 2.000 Transitarbeitskräften, die 2010 in einem Dienstverhältnis bei FAB standen.

Angelehnt an das Integrationsleitbild des Landes Oberösterreich hat FAB – auch mit Hilfe einer Startfinanzierung durch das AMS OÖ – für den Verein ein Leitbild generiert. Darüber hinaus wurden und werden die rund 82 Mitarbeiter des FAB in interkulturellen Kompetenzen geschult. Unter anderem mit Hilfe von Projekten und Exkursionen zu Einrichtungen verschiedener Kulturen, Einrichtung einer Homepage zum Thema sowie der Schaffung eines Ausbildungscurriculums „Interkulturelle Sozialpädagogik“.

Seit 2009 trägt das FAB die Kosten des Programms vollständig als Teil der Ausbildungskosten, die der Verein verpflichtend für seine Mitarbeiter pro Jahr aufwenden muss. Das vom internen Weiterbildungsinstitut FAB-Organos mitgetragene Projekt soll auch für andere Unternehmen und Vereine aufgearbeitet werden – u. a. über das Netzwerk der Plattform der oberösterreichischen Sozialprojekte.

„Ziel ist es, für Menschen mit Migrationshintergrund Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen,“ so Ingeborg Katamay, Sozialpädagogin im FAB-Betrieb GastroService. Dazu müssen die Trainer geschult werden, sich „auf Multikulti einzulassen“ und sich mit der Interkulturalität zu beschäftigen. „Es ist ein Lernprozess für alle einzusehen, dass niemand die eine Wahrheit hat,“ ist die Sozialpädagogin überzeugt.

In der Gruppenbildung werde dabei nicht auf die Nationalität der einzelnen Teilnehmer geachtet, denn „die Arbeitssuche ist, was sie alle verbindet,“ erläutert Katamay. Es habe auch noch keine gröberen Probleme auf Grund kultureller Differenzen gegeben. Die Sprachbarriere wird durch angebotene Deutschkurse verringert. Darüber hinaus werden die Teilnehmer selbst angehalten, ihren Kollegen zu helfen. „Für viele Leute ist das ein Erfolgserlebnis wenn sie jemanden unterstützen können, der noch nicht so gut Deutsch spricht,“ sagt Katamay.

Die Transitarbeitskräfte werden auch an kooperierende Betriebe „ausgeliehen“, aber der FAB will ein Dauerleasing vermeiden, um den Arbeitsmarkt nicht zu zerstören. Beim Erfahrungsaustausch mit den Unternehmen können von diesen dann zum Beispiel auch Zusatzqualifikationen eingefordert werden.

Oberleitner gibt sich keiner Illusion hin, dass es jemals Vollbeschäftigung geben wird. „Im Schnitt sind 250 bis 300 Leute trotz solcher Maßnahmen nicht am 1. Arbeitsmarkt integrierbar. Was wir brauchen sind mehr geschützte Arbeitsplätze und nicht teilweise menschenunwürdige bürokratische Mechanismen.“

 AnsprechpartnerInnen:
Mag. Friedrich Fehlinger