anker

Den Stress „gebacken bekommen“

Mit Hilfe von umfassenden Mitarbeiterbefragungen wurden im Unternehmen Anker Stressfaktoren für Mitarbeiter deutlich reduziert und alle Beteiligten direkter in Entscheidungsprozesse eingebunden.

 

Erst unter der neuen Geschäftsleitung gelang es dem Betriebsrat bei Anker ein bereits länger angedachtes Projekt zum besseren Stressmanagement zu realisieren. Im Rahmen der IMPULS-Initiative des ÖGB führte Anker eine freiwillige Befragung von Mitarbeitern 2009 und 2010 durch, bei der Aspekte wie das Betriebsklima oder Arbeitsbedingungen anonym abgefragt werden. Die Fragebögen wurden von der Firma humanware für die IMPULS-Initiative zusammengestellt. Diese Initiative wurde vom ÖGB über die AUVA mitfinanziert, den Rest der Projektkosten tragen Anker und der Betriebsrat.

Die IMPULS-Initiative wurde auch von anderen Unternehmen (siehe RHI-Einreichung) genutzt, bei Anker stellte jedoch die besondere Firmenstruktur mit 150 über Österreich verteilten Filialen eine besondere Herausforderung dar. Rund 50% der rund 800 Mitarbeiter nahmen letztendlich an den zwei Befragungen im Jahresabstand Teil und die codierten Fragebögen wurden direkt bei humanware ausgewertet.

Aus diesem Projekt heraus entstand einerseits eine Liste mit rund 40 umzusetzenden Maßnahmen, die bereits ca. zur Hälfte abgearbeitet ist und andererseits ein Bekenntnis aller Beteiligten über das Projektende hinaus weiter an dem Thema zu arbeiten.

Eine der konkreten Änderungen, die in den Filialen vorgenommen wurden, ist die Erstellung eines „Back-Plans“ auf Initiative der Mitarbeiter. Je nach Kundenwünschen startet jede Anker-Filiale die Frühschicht mit anderen Gebäcksorten, die vor Öffnung gebacken werden müssen. Bislang war es für junge Mitarbeiter oder Springer schwierig, sich in die Backroutine einer Filiale einzuarbeiten. Durch die Erstellung von Backplänen pro Filiale laufen diese Prozesse jetzt nicht mehr „nach Gefühl“ ab, sondern nach einem System, in das sich jeder leicht einarbeiten kann, erläutert Betriebsrätin Gerlinde Kastner.

Die Themen bei denen die Mitarbeiter den größten Änderungsbedarf sahen, waren Kommunikation und Information sowie Entscheidungseinbindung. Während des Projekts wurde deshalb ein kostenloser freiwilliger Workshop für Mitarbeiter eingerichtet um Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und das Projektteam wird sich in Zukunft weiter treffen. Das Ziel ist auch alle zwei Jahre ähnliche Befragungen durchzuführen.

Des weiteren wurde ein sogenanntes „Kreativ Aktiv Team“ gebildet, das – während der Arbeitszeit und mit Fahrtkostenentschädigung – regelmäßig zusammentrifft, um Ideen auszutauschen. Alle zwei Jahre wird es neu formiert. Um den Informationsfluss von der Zentrale zu den Filialen zu verbessern wurde neben Rundschreiben auch eine Filialleitertagung ins Leben gerufen. Begleitend zum Projekt wurden gratis Entspannungsseminare und Freizeitaktivitäten angeboten, die je nach Nachfrage weitergeführt werden.

Anker hat das Projekt bei einem Gesundheitssymposium in Linz vorgestellt und diverse Fachartikel mitgestaltet. „Viele Unternehmen haben Angst vor solchen Befragungen oder einer stärkeren Mitarbeitereinbindung, weil daraus zusätzliche Kosten entstehend könnten – aber es kommen so viele Ideen, die nichts kosten“, betont der Projektverantwortliche und Leiter der Personalentwicklung Martin Brosig. „Viele Mitarbeiter warten nur darauf, gefragt zu werden“, bestätigt Kastner.

 AnsprechpartnerInnen:
Martin Brosig (Leitung Personalentwicklung)
Gerlinde Kastner (Betriebsratsvorsitzende)
01/60123 241